Die Geschichte der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Wien-Hietzing ist mit dem Wachsen der Außenbezirke Wiens eng verbunden. Nachdem mit dem Revolutionsjahr 1848 die Bebauung des Inneren Bezirks ihren Abschluss gefunden hatte, sollten nun in den nächsten 50-70 Jahren die sogenannten klassischen Außenbezirke, wie Hietzing oder Währing, ihre städtebauliche Gestaltung finden. Diese rasante Entwicklung der sogenannten Gründerzeit erklärt, warum ursprünglich das Gebäude der Evangelischen Kirche A.B. Wien-Hietzing in der Astgasse/Ecke Penzinger Straße im Jahr 1909 geplant wurde. Als Zwischenglied wurde 1913 ein Grundstück in der Cumberlandstraße erworben und darauf das Gemeindehaus gebaut. Am 12. Juli 1914 fand die Einweihung des Predigtsaales statt. Als ursprünglicher Termin hierzu war der 5. Juli 1914 geplant gewesen. Da aber am 28. Juni der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo erschossen wurde, wurde die Einweihungszeremonie für den Predigtsaal in einen Trauergottesdienst umgewandelt. Kurze Zeit danach marschierten die Söhne Österreich-Ungarns in den 1. Weltkrieg. Aus einem Provisorium wurde etwas Beständiges.

Baugeschichte
Das Patenkind des berühmten Wiener Architekten Otto Wagner,  dessen berühmteste  Kirche sich in den Steinhofgründen im 14. Bezirk befindet, Theophil Niemann (*1883 –  †1962) wurde nach dem  Zusammenbruch der  Österreich-Ungarischen Monarchie und dem  Elend der Nachkriegsjahre beauftragt, die  evangelische Kirche zu  errichten. Der Bau wurde  im Stil einer evangelischen Hauskirche errichtet. Sie stellt heute etwas ganz Besonderes da. Diese Tradition des evangelischen Kirchenbaus geht auf  das Toleranzpatent des Kaisers Josef II. 1781 zurück, in dem den evangelischen Christen zwar der Bau und Betrieb von Kirchen  erlaubt wurden, diese allerdings als solche äußerlich nicht erkennbar  sein durften. Am 18. Oktober 1931 wurde die Kreuzkirche eingeweiht.

 

 

 

 

Die beiden Eingangstore sind mit schmiedeeisernen Rhomben beschlagen und haben gelb verglaste Dreiecksgiebel. Sie sorgen für Licht in den Gängen. Durch den rechten Eingang gelangt man in die Vorhalle, wo sich die zwei Zugänge zum Kirchenraum befinden, und weiter zum Innenhof. Hier mahnt eine monumentale Inschrift: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein“ (Jakobus 1,22). Darunter ist eine Gedenktafel für Kantor Prof. Julius Peter angebracht.

Der Innenraum ist annähernd ein quadratischer Saal mit ostseitig in halber Höhe eingezogener Empore. Die Westseite beinhaltet schmale Zwischenräume mit eingespanntem spitzbogigen Altarraum.

Altarraum:
In die Westwand spitzbogenförmig eingeschnitten befindet sich der Altarraum, an dessen Rückwand sich ein großes goldfarbenes Kreuz vor dunkelblauem Grund erhebt. Es trägt eine stilisierte Dornenkrone. Dieses Kreuz verweist auf den Namen der Kirche. Zwei Stufen führen zum Altartisch hinauf. Die Kirche besitzt eine  überaus sehenswerte Sammlung von Antependien, die in den liturgischen Farben gehalten und mit den zu den jeweiligen Anlässen  passenden Symbolen versehen sind. Sie stammen zum Großteil  noch aus der Erbauungszeit.

Die Kanzel als spezifischer Ort der Wortverkündigung hat für den evangelischen Gottesdienst und damit für den evangelischen Kirchenbau besondere Bedeutung. Der Reformator Martin Luther sprach und schrieb auf besonders originelle und liebevolle Weise davon, was ihm die biblischen Schriften bedeuteten:
Das Wort Gottes ist eine Speise; wer sie isst, den hungert immer mehr danach. …
Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte: Ich schüttle ihn, und was runterkommt und reif ist, das nehme ich. Das andere lasse ich noch hängen.
Die Heilige Schrift ist ein wunderbares Kräutlein, je mehr du es reibst, desto mehr duftet es.

 

Die Wandflächen links und rechts des Altarraums füllen monumentale Wandgemälde, der Erzengel Michael und Gabriel vor blauem  Grund, die Pfarrer Erwin Schneider gemalt hat. Michael ist mit  Flammenschwert und steinbesetztem Gurt dargestellt, was auf seine  Funktion als Bezwinger des Satans bezogen werden könnte. Er trägt ein langes weißes Gewand mit aufgekrempelten Ärmeln und braunes, an mittelalterliche Schnabelschuhe erinnerndes Schuhwerk. Er ist umgeben von seinen die ganze Nische ausfüllenden Flügeln, die wie ein Strahlenkranz leuchten. Gabriel ist ebenso in ein weißes Gewand gekleidet, das mit einem roten Band gegürtet ist. Er hält als Verkündigungsengel einen Lilienzweig in seinen Händen. Beide Engel sind von äußerst muskulöser Gestalt, zeigen aber eher weibliche Gesichtszüge. Die sehr flächige Darstellung der Engel mit ihren nach unten geklappten Füßen entspricht den im Jugendstil üblichen Engelsbildern.

Die fünf Glasgemälde in den  Fenstern der Südwand sind nach Entwürfen des Pfarrers Erwin Schneider von Franz X. Götze geschaffen worden. Vier der Glasmalereien sind vom Kirchenraum aus sichtbar, eines befindet sich im Aufgang zur Empore und  eines auf der Empore. Alle Fenster sind in leuchtend bunten Farben gehalten und stellen bedeutende Persönlichkeiten des Protestantismus dar.

Martin Luther
(*1483 – †1546), Philipp Melanchthon (*1497 – †1560), Paul Gerhardt (*1607 – †1676), Johann Sebastian Bach (*1685 – †1750)

Die erste Hausorgel stammte vom Komponisten Franz Schmidt und wurde von Vinzenz Moszny in Preßburg 1880 gebaut. In den 90er  Jahren des letzten Jahrhunderts beschloss das Presbyterium der Gemeinde die Errichtung einer neuen Orgel durch die Oberösterreichische Bauanstalt St. Florian.
Sie ist auf der an der Ostwand eingezogenen Empore mittig in die Brüstung eingeschnitten. Die neue Orgel wurde 1997 errichtet und hat 2 Manuale und 16 Register. Die Mensurierung und Intonierung erfolgten durch Helmuth und Christian Kögler, unterstützt von Bernhard Hilbrand Edsges. Am 22. März 1998 wurde die neue Orgel von Superintendent Mag. Werner Horn mit musikalischer Gestaltung unter Leitung von Mag. Norbert Zeilberger eingeweiht.

Die Decke des Kirchenraumes, gestaltet von Pfarrer Schneider, zeigt auf dunkelblauem Grund rundumlaufend ein Deckengemälde mit den Tierkreiszeichen in Sgraffito-Manier. Begleitet werden die Tierkreiszeichen von einem gestirnten Himmel. An der Decke über der Empore begleiten Engel den Tierkreis. Sie tragen Sterne und Mond und sind wohl als Symbole des universalen Charakters von Christi Botschaft zu sehen.

 

Bildnachweis:

THE BEST Kunstverlag (c) 2011
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